Haarausfall durch Testosteron und DHT: Die Zusammenhänge verständlich erklärt

Leseempfehlung: Haarausfall – Informativer Wegweiser bei haarigen Problemen / (*Bitte beachten Sie unsere Hinweise in der Fußzeile)

Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Haarausfall und Testosteron bzw. DHT?

Unsere Haare sind das Spiegelbild körperlicher und psychischer Gesundheit und lassen uns auf unser Umfeld attraktiver wirken. Umso mehr leiden Betroffene, wenn ihnen die Haare mit der Zeit verloren gehen. Haarausfall ist in westlichen Gesellschaften weitverbreitet und betrifft ca. 80 % aller Männer im Laufe des Lebens. Unter Frauen sind es Statistiken zufolge drei von zehn Personen. Die Ursachen sind vielseitig und teilweise schwer zu diagnostizieren. Am häufigsten sind genetische Faktoren dafür verantwortlich, die sich bereits nach der Pubertät zeigen können. Aber auch ein ungesunder Lebensstil, zu viel Stress, eine Fehlstörung des Immunsystems, ein Nährstoffmangel oder Hormonstörungen können als Ursache infrage kommen.

Im Zusammenhang mit Haarausfall wird vermehrt die Wirkung vom männlichen Sexualhormon Testosteron diskutiert. Ferner scheint ein Stoffwechselprodukt von Testosteron – das sogenannten Dihydrotestosteron (DHT) – eine entscheidende Rolle beim erblich bedingten Haarausfall zu spielen. In diesem Artikel möchten wir uns genauer mit den Zusammenhängen von Testosteron bzw. DHT und Haarausfall auseinandersetzen und uns die Ergebnisse einiger wissenschaftlicher Studien genauer anschauen.

Vorab: Allgemeines über Testosteron

Testosteron wird bei Männern überwiegend im Hoden produziert und nimmt eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung männlicher Geschlechtsmerkmale (wie der Körper- und Gesichtsbehaarung) und der männlichen Geschlechtsorgane sowie der Spermienproduktion ein. Auch Frauen besitzen geringe Mengen an Testosteron, welches in den Eierstöcken gebildet wird.

Symptome eines Testosteron Mangels

Fehlt dem menschlichen Körper Testosteron, kann dies zu verschiedenen Symptomen führen. Darunter zählt beispielsweise:

  • Verlust an Muskelmasse
  • Verminderung des sexuellen Verlangens
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Gewichtszunahme und Fettleibigkeit 
  • Veränderung von Haut und Haaren
  • Vermehrte Schweißausbrüche

Haarausfall durch einen Mangel an Testosteron? Studien sprechen dagegen

Selbst in der Wissenschaft wurde lange Zeit die Meinung vertreten, dass ein Mangel an Testosteron mit Haarausfall einhergeht. Daraus hat man gleichzeitig geschlossen, dass Männer mit wenigen Haaren einen niedrigen Testosteronspiegel aufweisen und grundsätzlich ein geringeres sexuelles Verlangen haben.

Eine Studie der Universität Greifswald, für die  373 männliche Teilnehmer rekrutiert wurden, konnte diesen Mythos glücklicherweise ein für alle Mal aus der Welt schaffen. Das Ergebnis war eindeutig: Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen männlichen Sexualhormonen wie Testosteron oder Androstendion und Haaarausfall. Außerdem fanden die Wissenschaftler keine Korrelation zwischen dem Hormonhaushalt und dem Haarwachstum bzw. der Haardichte der Männer (Quelle: Hier > )

Dihydrotestosteron (DHT) und Haarausfall: Was steckt  dahinter?

Auch wenn Studien zeigen konnte, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen Testosteron und Haarausfall gibt, kann höchstwahrscheinlich ein Stoffwechselprodukt des Sexualhormons – namens Dihydrotestosteron (DHT) – für frühzeitigen Haarverlust verantwortlich gemacht werden. Um nachvollziehen zu können was dabei genau im Körper passiert, ist es hilfreich den Wachstumszyklus der Haare zu verstehen.

Normalerweise lässt sich der Lebenszyklus des Haares in drei verschiedene Phasen unterteilen: Die erste Wachstumsphase (Anagenphase) dauert zwei bis sechs Jahre. Nach dieser Zeit beginnt eine zweiwöchige Übergangsphase (Katagenphase), wobei sich von nun an keine neuen Zellen mehr bilden. Anschließend tritt das Haar in die Ruhephase (Telogenphase) über. In dieser wird die Stoffwechselaktivität und Nährstoffversorgung der Haarfollikel komplett eingestellt. Schlussendlich fällt das Haar aus und ein neues wächst nach.

Bei Männern mit einer erblichen Veranlagung kann das DHT zu einer Überempfindlichkeit an der Haarwurzel sorgen, was gleichzeitig dafür sorgt, dass der Lebenszyklus der Haare frühzeitig unterbunden wird und diese direkt in die Ruhephase (Telogenphase) übergehen.

Was genau ist jetzt eigentlich DHT?

Der Botenstoff DHT und seine Auswirkung auf die Haare.

DHT (Dihydrotestosteron) ist ein biologisch aktives Zwischenprodukt des Hormons Testosteron. DHT wird durch das im menschlichen Körper vorhandene Enzym SRD5 (Steroid 5-alpha-Reduktase) aus Testosteron gebildet. Das DHT ist ähnlich wie Testosteron selbst für den Bartwuchs, männliche Körperbehaarung, verschiedene Talgdrüsenfunktionen und äußere männliche Genitalanlagen verantwortlich.

Wie bereits erfahren, kommt das Sexualhormon Testosteron beim männlichen und weiblichen Geschlecht in unterschiedlicher Konzentration vor, was sich auch gleichzeitig auf den DHT-Spiegel auswirkt. Männer haben einen deutlich höheren DHT-Spiegel als Frauen.

Durch eine genetische Disposition kann die Kopfbehaarung durch das DHT abnehmen und frühzeitig zu unerwünschtem Effluvium führen. Die Haarfollikel reagieren empfindlich auf den Botenstoff und gehen frühzeitig in die Ruhephase über. Im Verlauf der Zeit nimmt auch die Größe der Follikel ab, sodass nachwachsende Haare kleiner und dünner werden. Außerdem kann eine gestörte DHT-Konzentration bei Frauen Hirsutismus begünstigen, also eine verstärkte, männliche Körperbehaarung bei Frauen hervorrufen (beispielsweise den Damenbart). Zu erblich bedingtem Haarausfall kommt es durch erhöhte DHT-Konzentration in Verbindung mit einer hohen Anzahl empfindlicher DHT-Rezeptoren. 

Ist DHT auch für den erblichen bedingten Haarausfall bei Frauen schuld?

Bei Frauen macht sich der anlagebedingte Haarausfall vor allem in der Scheitelregion bemerkbar. Dort werden die Haare mit der Zeit dünner und führen zu lichten Stellen am Kopf. Genau wie bei Männern ist auch hier der Botenstoff DHT dafür verantwortlich, dass die Haare ausfallen. Eigentlich sorgen die weiblichen Sexualhormone (vor allem Östrogene) dafür, dass die Haarfollikel weniger empfindlich auf das DHT reagieren. Allerdings kann der Botenstoff durch Hormonschwankungen im weiblichen Organismus (beispielsweise durch eine Schwangerschaft, die Antibabypille oder die Wechseljahre) mehr Spielraum bekommen und zu unerwünschtem Haarverlust führen.

Wie kann man die Bildung von DHT blockieren?

Ein genetisch bedingter Haarausfall, der durch den Botenstoff DHT verursacht wird, kann in der Regel nur mit medikamentösen Mitteln behandelt werden. Ziel sollte es dabei sein, die Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber des Botenstoffes einzuschränken. Mögliche Wirkstoffe, die für eine Behandlung infrage kämen, wären beispielsweise Alfatradiol, Finasterid und Minoxidil. Die Präparate sind üblicherweise in Tablettenform oder als Salbe (teilweise auch ohne Rezept) in der Apotheke erhältlich.

Gibt es natürliche Mittel, welche die Produktion von DHT unterbinden?

In einer Untersuchung aus dem Jahr 2014 fanden Wissenschaftler heraus, dass Probanden die über 6 Monate lang jeden Tag vier Kapseln Kürbiskernöl einnahmen, ihr Haarwachstum signifikant beschleunigten. Nach dem halben Jahr hatten 40 % der Männer mehr Haare auf dem Kopf. Offensichtlich kann das Kürbiskernöl verhindern, dass sich das männliche Testosteron in den Botenstoff DHT umwandelt. Auf diesen reagieren die Haarfollikel bei genetisch bedingtem Haarverlust empfindlich. Mehr Informationen zu der Studie bekommt man hier >

Wenn man sich auf dem Kosmetikmarkt nach natürlichen Mitteln umschaut, welche die Produktion von DHT im Körper unterbinden, findet eine ganze Palette an unseriösen Versprechen. Von natürlichen Shampoos gegen Haarausfall bis hin zu Tinkturen und pflanzlichen Ölen hat die Industrie fast alles zu bieten. Wissenschaftliche Studie, welche die Wirksamkeit der Mittel nachweisen, können die Hersteller in der Regel nicht vorlegen. 

Verwendete Quellen

https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/article-abstract/2617871

www.mondosano.de/ratgeber/rund-um-den-koerper/11-anzeichen-fuer-testosteronmangel

www.magazindergesundheit.de/haarausfall

www.enzyklopaedie-dermatologie.de

www.aerzteblatt.de/archiv/179396/Diagnostik-und-Therapie-von-Haar-und-Kopfhauterkrankungen

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